Einsamkeit im Topmanagement

„Die Firma bin ich“

Führungskräfte-Coaching im Topmanagement
© Foto: Jirsak/Shutterstock.com

von Christopher Rauen

Symbolische Führung

Die Arbeit im Topmanagement verlangt ein anderes Rollenverständnis als in den darunter liegenden Ebenen. Die oberste Führungsebene eines Unternehmens hat die Aufgabe, die langfristige strategische Ausrichtung festzulegen, daraus Ziele abzuleiten und deren Durchsetzung sicherzustellen. Topmanager wie CEOs (Chief Executive Officer; deutsch: Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzenden oder Generaldirektor) repräsentieren das Unternehmen, stellen wichtige Kontakte her und tragen die Verantwortung für alle Aktivitäten des Unternehmens. Sie sind das „Aushängeschild“ der Firma und symbolisieren mit allen Handlungen das, wofür das Unternehmen steht.

Allerdings gilt dies auch für alle Nicht-Handlungen, die oftmals ebenso kritisch kommentiert werden, wie die Aktivitäten. Erfahrene Executive Coaches überrascht es daher nicht, wenn sich Topmanager über „unerklärliches“ Verhalten in ihrer Umgebung verwundert zeigen. Nicht jedem Vorstand ist jederzeit bewusst, dass jedes Verhalten, jede Geste und jedes Symbol von ihrer Umwelt genau beobachtet und gedeutet werden. Ein zufällig zustande gekommenes Gespräch mit einem Mitarbeiter kann daher ohne böse Absicht zu allerlei Spekulationen und Konflikten führen. Das Topmanagement zieht Aufmerksamkeit wie ein Magnet auf sich und steht unter ständiger Beobachtung.

Oben ist die Luft kalt und es wird einsam

Gleichzeitig ist die oberste Führungsebene häufig abgekapselt und einsam, denn Umgang mit Macht und – insbesondere in Großkonzernen – „politischen“ Spielchen hinterlässt seine Spuren. An der Unternehmensspitze sind Einsamkeit und Mangel an fundiertem Feedback eher die Regel als die Ausnahme. Auch wenn Topmanager im Laufe ihrer Berufserfahrung gelernt haben, ihre Rolle als Führungskraft auszufüllen, hat die nie unbefangene Kommunikation Konsequenzen: Ohne unabhängiges Feedback sind Fehlentwicklung wie zunehmender Egozentrismus und narzisstische Tendenzen kaum zu vermeiden. Gerade Top-Führungskräfte identifizieren sich mit ihrer Rolle im Konzern so sehr, dass sie die ihnen zukommende Aufmerksamkeit auf sich als Mensch zurückführen – und nicht auf ihre Rolle. Zunehmende „Größengefühle“ und Überheblichkeit, die Hybris, können die Folge davon sein.

Der Coach als Sparringspartner

Mit welchen Herausforderungen müssen Führungskräfte in ihrem Arbeitsalltag fertigwerden? Welche Formen der Unterstützung wünschen sie sich? Diesen Fragen widmet sich das in Köln ansässige und von Executive-Coach Gudrun Happich geführte „Galileo. Institut für Human Excellence“.

Mittels einer Umfrage wurde herausgefunden, dass sich die Mehrheit der Führungskräfte Einzel-Coachings mit Schwerpunkt Sparring wünscht. „Für Führungskräfte wird der offene, vertrauensvolle Gedankenaustausch mit einem Partner, der sie wirklich versteht, immer wichtiger“, erklärt Happich. Auch die Executive-Coaches selbst müssten vor dem Hintergrund des sich verändernden Managementalltags umdenken: „Die Führungskräfte wünschen sich einen Coach, der echte Verantwortung übernimmt, der wie sie selbst bereit ist, schnell und flexibel zu agieren, Unsicherheit aushalten kann.“

Wenn der Bodenkontakt verloren geht

Daher werden nicht wenige Topmanager als „abgehoben“ bezeichnet. Fällt dann eines Tages die Berufsrolle und somit auch die Aufmerksamkeit weg, fühlen sich Top-Führungskräfte nicht selten schlagartig vollkommen leer. Doch auch in weniger schlimmen Fällen führt die spezifische Situation von Topmanagern zu Wahrnehmungsverzerrungen, Beurteilungstendenzen und problematischem Entscheidungsverhalten. Unvermeidbar sind Konflikte auf unterschiedlichen Ebenen die Folge. Der Zwist im Vorstand oder Aufsichtsrat kann sich so durch das ganze Unternehmen ziehen.

Coaching ohne Gesichtsverlust

Business Coaching kann hier die unabhängige Reflexion von außen bieten, um solche Entwicklungen zu korrigieren. Top-Führungskräfte können besonders von kompetenten „Sparringspartnern“ profitieren, mit denen sie gemeinsam frei denken können. Dies ist nur auf gleicher Augenhöhe möglich – und sofern man sicher sein kann, dass der Coach keine eigenen Interessen verfolgt. Das Vier-Augen-Gespräch mit dem Coach hat zudem den Vorteil, dass es diskret in Anspruch genommen werden kann. Ein Gesichtsverlust muss so nicht befürchtet werden.

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