Gesundheits-Coaching

Ein wesentlicher Baustein des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Gesundheitscoaching: Ein wesentlicher Baustein des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
© Foto: Iakov Kalinin/Shutterstock.com

von Prof. Dr. Eva-Maria Lewkowicz

Was leistet Gesundheits-Coaching?

Gesundheits-Coaching bezeichnet einen Coaching-Prozess, in dem Klienten ihre Arbeits- und Lebensumstände daraufhin analysieren, wie sie auf ihr persönliches bio-psycho-soziales Gleichgewicht wirken. Gesundheits-Coaches begleiten ihre Klienten dabei, ihren Umgang mit Stressoren zu reflektieren und allgemein unterstützende Faktoren zu betonen. Dabei werden auch die gesundheitsrelevanten Charakteristika der Firma in den Blick genommen.

Was leistet das Betriebliche Gesundheitsmanagement?

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement und die Betriebliche Gesundheitsförderung sind Angebote zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeiter einer Firma. Während das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) die Aufgabe hat, die Gesundheit der Mitarbeiter als strategischen Faktor in das Leitbild und die Kultur sowie in die Strukturen und Prozesse der Organisation einzubeziehen, bezeichnet Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) konkrete Angebote zur Einflussnahme auf die Gesundheit der Beschäftigten.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist damit keine ärztliche Leistung, die darauf angelegt ist, bestimmte Krankheiten zu vermeiden, sondern als ganzheitliches Konzept am Wohlergehen der Mitarbeiter orientiert. Es ist auch nicht darauf angelegt, spezielle Krankheiten (beispielsweise Herzkreislauferkrankungen) zu verhindern, noch kann es als Instrument zur Vermeidung von Burnout-Zuständen oder gar dem Abbau von Stressoren verstanden werden. So wie sich die Burnout-Dispositionen aller Menschen unterscheiden, ist ein Leben ohne Stressoren nicht denkbar – weder innerhalb der Firma, noch außerhalb. Auch ein Verständnis des BGM und der BGF als Kontaktpunkt zu Ärzten oder anderen Gesundheitsangeboten greift zu kurz. Das BGM ist entsprechend der Definition von Gesundheit als „umfassendes bio-psycho-soziales Wohlbefinden“ (WTO) ein holistisches Konzept zur Stärkung der Gesundheit der Mitarbeiter.

Das Salutogenese-Modell als theorieorientierter Anker des BGM

Ausgehend vom Salutogenese Modell (nach Aaron Antonovsky) werden Menschen als weder nur krank noch nur gesund begriffen. So wie die Abwesenheit von Krebs und drohendem Herzinfarkt noch lange nicht auf Gesundheit schließen lassen, so wenig muss ein Mensch, der an Brustkrebs oder einer psychischen Erkrankung leidet, als umfassend krank betrachtet werden. Wo die medizinische Versorgung darauf ausgerichtet ist, eben diese Krankheiten gezielt zu behandeln, ist Gesundheit im Verständnis der Salutogenese-Forschung das Erreichen eines individuellen bio-psycho-sozialen Gleichgewichts auf einer Skale von sehr krank bis sehr gesund. Da das Leben immer Stressoren bereithält (dazu gehören neben beruflichen Anforderungen auch Aspekte des eigenen Gesundheitsverhaltens, wie Nikotinkonsum oder sportliche Aktivität), ist es der Umgang mit diesen Stressoren, der Gesundheit verschlechtert, erhält oder verbessert.

Welche Ziele verfolgt das Betriebliche Gesundheitsmanagement?

Das Ziel eines BGM besteht darin, ein Angebot allgemeinunterstützender Faktoren aufzubauen (Generalized Resistance Resources, kurz GRR), die den Mitarbeitern der Organisation helfen, mit ihrem Leben innerhalb und außerhalb der Firma gesundheitsfördernd umzugehen.

Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass bestimmte Risikofaktoren nicht per se krank machen oder deren Abstinenz die Gesundheit aufrechterhält. Obwohl derartige Zusammenhänge statistisch einfach nachgewiesen werden können, bleiben viele Menschen mit einem extrem stressigen Leben auch unter hohen beruflichen und privaten Belastungen im Sinne eines bio-psycho-sozialen Wohlbefindens im gesunden Bereich des Spektrums. Was hilft ihnen dabei?

„Nicht die Summe der Stressoren per se ist pathogen, sondern die Unfähigkeit, Spannung zu lösen und ihre Transformation in Stress zu verhindern“ (Antonovsky, S. 118).

Menschen, die gesund bleiben, erfüllen danach drei Kriterien:

  1. Sie erleben ihre äußere und innere Welt als strukturiert, in anderen Worten: Sie verstehen, was passiert (comprehensibility).
  2. Sie können auf Ressourcen zugreifen, um auch den widrigen Anforderungen des Lebens zu begegnen: Sie fühlen sich der Herausforderung gewachsen (manageability).
  3. Sie begreifen es als sinnvoll, auf die Herausforderungen des Lebens zu reagieren: Sie sehen Sinn, in dem was sie tun (meaningfulness).

Welchen Beitrag liefert das Gesundheits-Coaching innerhalb des BGM?

Gesundheits-Coaching unterstützt diese Haltungen. Im Coaching-Prozess, der bewusste und unbewusste Werte, Haltungen, Verhalten, Träume und Ziele im Blick hat, analysieren Führungskräfte ihr Anliegen unternehmensbezogen, interpersonell und intrapsychisch. Sie entwickeln mit dem Coach aus dieser intersubjektiven Analyse ein Verständnis ihrer Situation und der Situation ihrer Mitarbeiter sowie der damit verbundenen gesundheitsrelevanten Folgen (z.B. in Change-Prozessen), entwerfen, bewerten, verwerfen und entwickeln neue Handlungskonzepte, die auch in den Blick nehmen, welche GRR innerhalb und außerhalb des Unternehmens zur Verfügung stehen, im Rahmen des BGM und der BGF schon angeboten werden oder noch implementiert werden sollten. Es ist das Feedback des Coachs, das hier das Gefühl von Wirksamkeit stärkt:

„Cassel sagt zur Frage der Verknüpfung von social supports mit Gesundheit, dass erstere ein feedback darstellen, das uns in die Lage versetzt, uns in der Welt zu orientieren und uns mit Stressoren erfolgreich auseinander zu setzen“ (Antonovsky, S. 125).

Fazit

Gesundheits-Coaching ist damit ein ganz wesentlicher Baustein des BGM, der individuell gesundheitsbezogene Verhaltensänderungen induziert sowie Anstöße zu institutionellen gesundheitsbezogenen Veränderungen der Organisation liefert. Gerade in der Implementierungsphase des BGM kann das Gesundheits-Coaching des Top-Managements auch einen Beitrag zur strategischen Weiterentwicklung der Firma leisten, indem es ein Bewusstsein für die Notwendigkeit schafft, der Gesundheit der Mitarbeiter höchste Priorität einzuräumen.

Dies ist Voraussetzung dafür, das BGM und die BGF mit sämtlichen Bausteinen in die Entwicklungsstrategien der Unternehmensleitung zu integrieren. Nur wenn die Gesundheit der Beschäftigten Chef-Sache ist, greifen egal welche Angebote. Dazu gehört dann auch, dass die Verantwortung für das BGM in den Händen eines Managers liegt, der von der Unternehmensleitung ermächtigt ist, organisatorische Veränderungen zum Besseren zu initiieren und Rückendeckung bei der Implementierung derartiger Veränderungen erfährt. Andernfalls gerät das BGM zu einem Scheinprojekt, das gleichsam abgekoppelt von der Unternehmensstrategie ein verkümmertes Leben führt und sowohl die Gesundheit der Firma als auch des verantwortlichen BGM-Managers gefährdet.


Quellen

Antonovsky, Aaron (1991). Meine Odyssee als Stressforscher. In Jahrbuch für kritische Medizin, 17.

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