Stressmanagement und Work-Life-Balance

Coaching als Maßnahme zur Vorbeugung von Stress und Burnout

Coaching als Maßnahme zur Vorbeugung von Stress und Burnout
© Foto: gualtiero boffi/Shutterstock.com

von Dr. Christopher Rauen

Zauberwort Selbstmanagement

Stressmanagement ist im Grunde immer Selbstmanagement: Es geht darum, mit den vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen Ziele zu erreichen, ohne sich dabei so zu erschöpfen, dass man ins Abseits gerät. Häufig ist es ein schleichender Prozess, der Führungskräfte auf den Holzweg der ständigen Selbstausbeutung und Überforderung führt. Ein paar Überstunden, um ein wichtiges Dokument zu erstellen, schnell noch ein paar E-Mails beantworten oder eine spontane Nachtschicht, weil der Kollege ausgefallen ist. Nimmt der Druck immer weiter zu und ist selbst mit 80-Stunden-Wochen nicht mehr zu bewältigen, ist klar: Hier läuft etwas falsch.

Wer sich so dauerhaft überfordert, ist kein „Held der Arbeit“, sondern schlecht organisiert, insbesondere im Selbstmanagement. Ein Zusammenbruch oder Burnout ist hier vorprogrammiert. Er ist aber kein unabwendbares Schicksal. Allerdings wird einem die Work-Life-Balance oft nicht geschenkt. Man muss sie sich erarbeiten, was vielen Führungskräften nur als eine weitere, verzichtbare Belastung erscheint.

Auf dem Holzweg

Wer sich als Führungskraft dauerhaft überfordert, neigt auch dazu, dies von seinen Mitarbeitern zu erwarten. In der Folge entwickelt sich oft eine ungesunde Leistungskultur, deren Anforderungen dauerhaft nicht zu erfüllen sind. Häufig fallen solche Fehlentwicklungen erst dann auf, wenn Koffein als Aufputschmittel nicht mehr ausreicht und erste Erkrankungen auftreten: Kreislaufprobleme, bleierne Müdigkeit, Schwindel, Bluthochdruck – und dann irgendwann der erste Hörsturz oder Schlimmeres. Vielen Führungskräften wird erst dann bewusst, dass sie sich auf dem Holzweg befinden, wenn ihre Gesundheit angeschlagen ist und der Körper ihnen eine Rückmeldung gibt, die sie nicht länger ignorieren können.

Medizinische Überprüfung

Kommen Menschen mit solch einer Problemkonstellation ins Coaching, ist es von besonderer Wichtigkeit, dass der Coach auf eine medizinische Überprüfung besteht. Ansonsten besteht die Gefahr, möglicherweise ernsthafte Erkrankungen zu übersehen und zu verschleppen. Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen ein Coaching, gilt es die Ursachen für die mangelhafte Work-Life-Balance anzugehen.

Professionelle Selbstführung

Das Ziel eines Coaching ist bei solchen Coaching-Anlässen eine Verbesserung der Selbstführung. Diese umfasst die Aspekte Stressmanagement, Selbstmanagement und Zeitmanagement sowie das Erlernen von Bewältigungsstrategien. Die Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität, also das Erreichen einer Work-Life-Balance ist das Ziel.

Der Coach ist aber kein Fachberater. Es geht daher im Coaching weniger darum, der Führungskraft Spezialwissen zu vermitteln, als vielmehr dabei zu helfen, vorhandenes aber ungenutztes Wissen in den Arbeitsalltag zu integrieren. Denn die meisten Führungskräfte wissen theoretisch genau, wie sie sich und ihre Arbeit gut organisieren können. Die Umsetzung scheitert aber nicht selten an den Anforderungen des Alltags. Hier hilft das Coaching als Umsetzungsunterstützung. Im Dialog, mit Übungen, Rollenspielen, Perspektivenwechsel und gemeinsam erarbeiteten Zielsetzungen gilt es, schrittweise die professionelle Selbstführung der Führungskraft zu verbessern. Da eine optimierte Selbstführung auch bessere Führungsqualitäten nach sich zieht, profitiert davon erfahrungsgemäß nicht nur die Führungskraft, sondern auch ihr berufliches und privates Umfeld.

Im Burnout geht alles verloren: Ideale, Leistungsvermögen, Motivation – alles wird egal

Prophylaxe von Burnout

Ein Coaching sollte nicht erst erwogen werden, wenn Probleme bereits offensichtlich geworden sind. Idealerweise wird Coaching auch prophylaktisch eingesetzt, z.B. zur Verhinderung von Burnout, zum angemesseneren Umgang mit Überforderung und zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit, der sogenannten Resilienz.

Neben hoher Arbeitsbelastung ist ein diffuses Unbehagen, das eigenständig nicht mehr geklärt werden kann, ein typisches Anzeichen von stresserzeugenden Fehlentwicklungen. Dieses Unbehagen kann sich bis zu persönlichen Krisen, auch Sinnkrisen, steigern und zeigt sich in einer zunehmend nachlassenden Motivation. Trotz aller Versuche, weiter volle Leistung zu bringen, können Führungskräfte sich dann kaum noch zwingen, ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Bevor es dann zum Burnout kommt, kann ein Coaching eine gute Präventivmaßnahme sein, um Schlimmeres zu verhindern. Interessanterweise sind es gerade die besonders engagierten Menschen, die zum Burnout neigen. Dies ist aber auch logisch, denn wer hohe Ideale hat und ehrgeizig ist, ist besonders anfällig für die Selbstausbeutung.

Burnout: „kleine Depression“

Im Burnout geht alles verloren: Ideale, Leistungsvermögen, Motivation – alles wird egal. Ist dieser Zustand, der von nicht wenigen Experten als „kleine Depression“ angesehen wird, erreicht, ist medizinische und therapeutische Hilfe angezeigt. Coaching kommt hier an seine Grenzen und kann eine solche Therapie nicht ersetzen. Umso wichtiger ist die Prophylaxe.

Erlernen von Bewältigungsstrategien

Bewältigungsstrategien befähigen zum Umgang mit belastenden Situationen. Das sogenannte „Coping“ hilft dabei, schwierige Erlebnisse so abzufangen, dass sie verarbeitet werden können. Nicht jede Coping-Strategie trägt zu einer langfristigen Lösung bei. So kann es z.B. eine Coping-Strategie sein, schwierigen Gesprächen mit Mitarbeitern gezielt aus dem Weg zu gehen. Auf Dauer ist dies aber keine Lösung und sorgt eher für noch mehr Belastung. Daher muss zwischen hilfreichen und weniger hilfreichen bzw. sogar schädlichen („maladapitiven“) Bewältigungsstrategien unterschieden werden. Im professionellen Coaching geht es darum, sich möglichst funktionale Strategien anzueignen. Diese erkennt man daran, dass sie eine langfristige Lösung darstellen, ohne Nebenwirkungen dauerhaft zu Resultaten führen und sich in den Alltag der Führungskraft gut einbauen lassen.

FAZIT: Prävention ist besser als Heilung

Eine gelungene Work-Life-Balance kann mit Hilfe von Coaching aufgebaut bzw. verbessert werden. Neben dem Abbau von Belastungen kann das Coaching insbesondere zur Prävention von Burnout eingesetzt werden. Besonders bedeutsam sind dabei Bewältigungsstrategien, die helfen, mit belastenden Situationen gut umzugehen.

Quellen

Leonhardt. J. (2016). Stressmanagement – Mit weniger Druck mehr erreichen: SOS-Techniken nutzen und Resilienz stärken. Weinheim: Beltz.

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