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Interview mit Felix Müller

"Coaching ist eine gemeinsame Entdeckungsreise hin zu Klarheit, Zuversicht und Freude."

Können Sie Ihren Werdegang zum Coach kurz beschreiben?

In Bezug auf Coaching bin ich ein Spätstarter: Ich wurde im Alter von 44 Jahren zum ersten Mal gecoacht und habe dabei den großen Nutzen für mich als Führungskraft erleben dürfen. Zu der Zeit war ich Geschäftsführer bei der Henley Business School, der ältesten Business School Großbritanniens. Henley ist seit langem führend im Bereich Coaching und daher habe ich dort ein Masterstudium absolviert. Dabei habe ich eine faszinierende Welt entdeckt und erkannt, welchen Nutzen ich als Coach stiften kann und welche Freude mir dies bereitet. Ab 2013 habe ich neben meinem Führungsjob gecoacht und seit 2020 bin ich in Vollzeit als Coach selbstständig tätig.

Wie bzw. wo haben Sie Ihre Ausbildung zum Coach oder weitere Coaching-Qualifikationen erworben?

Ich bin sehr neugierig und will Dinge verstehen. Daher habe ich mich nach meinen BWL-Studien in St. Gallen und den USA (MBA) auch beim Thema Coaching statt für eine klassische Coaching-Ausbildung für ein Coaching-Studium entschieden. Während drei Jahren habe ich berufsbegleitend an der Henley Business School in Großbritannien „Coaching & Behavioural Change“ zum MSc studiert und durfte dabei mit einer Vielzahl von Coaching-Ansätzen experimentieren und durch intensive Reflexion meine eigenen Schwerpunkte ermitteln. Zudem bin ich für das Persönlichkeitsinstrument des Myers-Briggs Type Indicators (MBTI) zertifiziert. Meine internationale Ausrichtung habe ich kürzlich – als einer von rund 400 Coaches in Deutschland – durch meine Zertifizierung zum Associate Certified Coach der International Coaching Federation ICF unterstrichen.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte und Spezialisierungen?

Ich unterstütze Führungskräfte in ihrem Fortkommen. Dabei gibt es zwei Beteiligte: 1. die Führungskraft und 2. die Führungsrolle. Der Klient kommt zu mir, weil es zwischen ihm und seiner Führungsrolle „knirscht“. Zur Lösung gibt es mehrere Optionen: Der Klient verändert sich, die Führungsrolle verändert sich oder beide verändern sich. Auf jeden Fall sollte man, bevor man irgendetwas verändert, die aktuelle Situation auf beiden Seiten verstehen. Dann können daraus neue Schlüsse gezogen, Handlungen abgeleitet und ggf. daran gearbeitet werden, wie Werte, Glaubenssätze und Verhalten verhindern, dass Veränderung stattfindet. Mit diesem Ansatz lassen sich viele Herausforderungen meistern und Chancen nutzen.

Mit welchen Anliegen kommen Klienten häufig zu Ihnen? Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe?

Mein Hauptklientel sind Führungskräfte aller Ebenen, die sich in einer Situation befinden, für die sie keine zufriedenstellende Lösung finden. Dazu zählen neben typischen Führungssituationen auch Beförderungen und andere Veränderungen, bei denen sie zuerst Klarheit haben möchten, ob diese zu ihnen passen, bevor sie zusagen. Da ich über viele Jahre internationale Führungserfahrung verfüge, arbeite ich häufig mit international tätigen Führungskräften aller Ebenen, Branchen und Unternehmensarten.

Welche Methoden oder Tools nutzen Sie häufig im Coaching?

In meinen Coachings nutze ich Ansätze aus dem kognitiven Verhaltens-Coaching, Gestalt-Coaching und solche, die mehrere Sinne ansprechen, wie das Zürcher Ressourcen Modell, sodass die Klienten sich mit ihrem ganzen Körper, Geist und Herz spüren und diese Information nutzen können. Zum Austausch über die Persönlichkeit des Klienten nutze ich u.a. die Persönlichkeitspräferenzen nach Jung (MBTI). Zur Strukturierung des Austauschs nutze ich gerne die Interventionsebenen nach Dilts, welche Umgebung, Verhalten, Fähigkeiten, Glaubenssätze und Werte als Hindernisse für die erfolgreiche Veränderung identifiziert haben.

Wie läuft ein Coaching bei Ihnen in der Regel ab?

Der Ablauf meiner Coachings – egal ob vor Ort oder virtuell – gleicht sich und teilt sich in drei Phasen auf: 
 

1. Der Start – die Rahmensetzung: Ich stelle Coaching mit seinen Möglichkeiten und Grenzen vor, beantworte Fragen der Klienten und gemeinsam legen wir die messbaren Ziele des Coachings fest. Diese Klarheit zu Beginn trägt viel zum Erfolg des Coaching-Prozesses bei.

 

2. Die Entdeckungsreise – das eigentliche Coaching: Hier entdecken wir gemeinsam die Persönlichkeit und das Wesen des Klienten und seinen beruflichen Kontext, erarbeiten Optionen für die neue Richtung und Schritte für deren Umsetzung. Ich nenne dies „die Entdeckungsreise“, da wir dabei viel unbekanntes Territorium betreten und wie Kinder mit allen Sinnen neue Eindrücke aufnehmen.

 

3. Das Loslassen – die Transferphase: Jedes Coaching kommt zu einem Ende (was nicht heißt, dass Coaching-Beziehungen nicht Jahre dauern können, doch ändern sich die Ziele dabei im Verlauf und ein neuer Coaching-Zyklus beginnt). Daher ist es mir sehr wichtig, meine Klienten dabei zu unterstützen, ihr neues Verhalten oder Bewusstsein auch nach dem Coaching durchzuhalten. Dazu gehört auch regelmäßiges Pulsfühlen durch kurzen Anruf oder E-Mails. Zur Transferphase zählt auch ein standardisiertes Feedbackverfahren, damit ich von jedem Coaching lernen kann.

Mit welchen Klienten arbeiten Sie am liebsten zusammen? Lehnen Sie bestimmte "Fälle" grundsätzlich ab?

Generell versuche ich, meinen potenziellen Klienten urteilsfrei gegenüberzustehen. Dies erlaubt mir, viele spannende Persönlichkeiten kennenzulernen und zu unterstützen. Selbstverständlich gab es schon Klienten, bei denen ich nein gesagt habe, weil ich sie mit meinem Ansatz nicht unterstützen konnte. Ein Grundkriterium, das alle meine Klienten erfüllen müssen, ist, dass sie lernen wollen – über sich selbst, wie sie sind, was sie antreibt und wie sie den Kontext z.B. als Führungskraft gestalten können.

Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen eines Coachings?

Coaching gibt dem Menschen Raum und Zeit, unter Begleitung ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu sinnvollen Eindrücken zusammenzufügen, sodass sich Klarheit bildet, Knoten lösen und Handlungen entstehen können und der Mensch vorankommt. Dies ist gerade in der heutigen schnellen und komplexen Zeit besonders wertvoll. Eine Grenze des Coachings ist dann erreicht, wenn der Klient therapeutische Unterstützung benötigt. Eine andere Grenze sehe ich darin, wenn eine Lösung für den Klienten in neuem Wissen liegt. Wissensvermittlung ist nicht Aufgabe des Coachs, aber ich finde es wichtig, Klienten auf Wissensquellen hinzuweisen, was mir aufgrund meiner breiten Erfahrung leichtfällt.

Wie gelingt ein erfolgreicher Coaching-Prozess?

Viele Menschen wurden noch nie gecoacht und wissen nicht, was Coaching ist. Wir als Coaches stehen daher in der Pflicht, dieses Wissens- und Erfahrungsgefälle auszugleichen und den Erfolg des Coaching-Prozesses zu sichern. Denn woher sollten Klienten auch wissen, auf was sie achten müssen? Dazu gehört, dass der Coach bei den Klienten Klarheit über Ziele, Rahmenbedingungen, Prozesse, Methoden usw. schafft und sie einlädt, laufend über den Coaching-Prozess zu reflektieren und Feedback zu geben. Der Klient soll in einer vertrauensvollen Beziehung auf Augenhöhe am „Lenkrad“ stehen und wissen, dass seine Gedanken und Gefühle nicht nur über die Inhalte, sondern auch über den Prozess des Coachings wichtig sind, denn am Ende soll er vorankommen.

Wie würden Sie Coaching in einem Satz definieren?

Coaching ist eine gemeinsame Entdeckungsreise hin zu Klarheit, Zuversicht und Freude.

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