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Interview mit Joachim Hentschel

"Alles ist lösbar!"

Wie kamen Sie zum Coaching? Können Sie Ihren beruflichen Werdegang kurz beschreiben?

In meinem Berufsleben habe ich verschiedene Rollen 'erfüllt'. Mein Weg führte vom Personalleiter zum Geschäftsführer und später gründete ich eine Beratung. Dort erlebten mich meine Kunden als Umsetzer mit Herz und vielfältiger Expertise. So wurde ich immer wieder gebeten, Lösungen für intra- und interpersonelle Probleme zu unterstützen. Man könnte sagen: back to the roots! Da lag meine Entscheidung, Business-Coaching zu meinem neuen Arbeitsschwerpunkt zu machen, auf der Hand.

Welche coaching-spezifischen Qualifikationen und Fortbildungen können Sie vorweisen?

Lösungspotenziale für Klienten stammen aus unterschiedlichen Denkschulen. Schon im BWL-Studium belegte ich als ein Hauptfach Industrie- und Betriebssoziologie und Personalwesen. Später vertiefte ich entscheidungsorientierte Ansätze (z.B. nach Kepner-Tregoe). Methodisch geprägt wurde ich durch das Projekt- und Prozessmanagement. In den vorgenannten Themen habe ich Vorträge, Trainings und teilweise Vorlesungen durchgeführt. Darauf aufbauend nahm ich an verschiedenen Coaching-Ausbildungen teil. Die Letzte schloss ich als zertifizierter Business Coach (BDVT & WCTC) ab. Ich bin Mitglied in einer Supervisionsgruppe und erweitere mein Wissen in Trainings.

Gibt es Themen im Coaching, die Sie besonders interessieren?

Ja, zum Beispiel:

  • Mit welchen Formaten erreiche ich Intuition und deren Potenziale?
  • Notwendigkeit der Veränderung von Leadership in neuen Zeiten!?
  • Mediation bei Teamkonflikten

Aus welchen Branchen kommen Ihre Klienten? Welche Anliegen haben sie?

In meiner Berufserfahrung wurde ich von technischen Unternehmen geprägt. Seit Jahren hat sich mein Branchen-Mix deutlich erweitert: vom Energieversorger bis zu Dienstleistungsunternehmen.

Sind Sie Vertreter einer bestimmten Coaching-Schule oder arbeiten Sie methodenübergreifend?

Eine berufliche Herausforderung hat drei Betrachtungsebenen: eine fachliche, eine methodische und eine verhaltensorientierte Sichtweise. Sie beeinflussen sich gegenseitig und es wäre ein Fehler, eine auszulassen. Nach meiner Erfahrung sind allerdings die verhaltensorientierten Wirkketten komplexer, verdeckter, kognitiv schwieriger zugänglich und früher oder später wesentlich. Ich halte eine schrittweise Herangehensweise aus allen Betrachtungsebenen in der Regel für ratsam.

Meine Coaching-Arbeit basiert auf der Nutzung von Lösungsansätzen verschiedener Denkschulen. Allen gemeinsam ist das systemische Erklärungsmodel. Ob in uns und/oder zwischen uns – es wirken Kräfte, die sich gegenseitig beeinflussen.

Wie gehen Sie im Coaching in der Regel vor?

Von Sitzung zu Sitzung ergibt sich typischerweise folgende Struktur:

  • Wir reflektieren die letzte Sitzung.
  • Ggf. berichtet der Klient von Neuigkeiten im Zusammenhang der Themenstellung.
  • In der Folge bearbeiten wir Ziele und Probleme mit transparenten Coaching-Formaten.
  • Im Sinne der Lösungsorientierung entwickelt der Klient Vorhaben bis zur nächsten Sitzung.
  • Die Sitzung wird mit einem ermutigenden Ausblick beendet.

Welche Klienten oder Auftraggeber bevorzugen Sie? Welche würden Sie unter Umständen auch ablehnen?

Hier habe ich keine Präferenzen. Über die Jahre habe ich mit Privatpersonen bis hin zu Geschäftsführern gearbeitet. Da ich als Einzelunternehmer arbeite, bin ich weniger bei Großunternehmen, dann ggf. mit Partnern, gefragt. Eine Zusammenarbeit lehne ich von vorneherein bei psychischen Krankheiten ab. Da der Coaching-Prozess von beiden Seiten freiwillig ist, behalte ich mir vor, ggf. auch einen Auftrag abzubrechen. Das ist glücklicherweise erst einmal vorgekommen.

Wie gelingt ein erfolgreicher Coaching-Prozess?

Eine gute Auftragsklärung ist oft schon Teil der Lösung.

Die "Chemie" zwischen Coach und Klient muss beiderseits stimmen.

Das bisherige Verhalten des Klienten ist psycho-logisch und daher zu respektieren.

Jedes Format muss vorab geklärt werden (keine Manipulation!), da der Klient auch hier Mitverantwortung trägt. Wenn der Prozess stockt, dann nehmen wir einen anderen Weg!

Erste kleine Schritte geben Kraft für größere Herausforderungen.

Es gilt: Alles ist lösbar, da die Meinung im Kopf konstruiert wird.

Worin liegt für Sie die größte Herausforderung im Coaching?

Abgrenzung der Profession und deren Methodik gegenüber Angeboten geboren aus dem "Zeitgeist".

Den Auftraggeber vom Nutzen des Coachings zu überzeugen.

Auf Basis meines Mitgefühls nicht zu sehr in eine "Wir-Haltung" zu kommen.

Auf Basis meiner Erfahrungen nicht in die Trainer- bzw. Berater-Rolle zu verfallen.

Hand aufs Herz: Was ist Coaching?

Ich verstehe meine Aufgabe als Prozessunterstützung für sozioemotionale Herausforderungen im Kontext des Berufs. Dabei gibt es fünf Betrachtungsebenen:

  • Ziele differenzierter erkennen
  • Weitere Handlungsoptionen erhalten
  • Ressourcen für die Lösung aktivieren
  • Lösungsschritte schrittweise testen
  • Hindernisse im Sinne von lernen begreifen

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